Triumph Street Triple Cup 2009 – 7.+ 8.Lauf Hockenheim

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    Hier mal ein kleiner Bericht vom

    Triumph Street Triple Cup 2009 – 7.+ 8.Lauf Hockenheim

    Viel Spaß beim lesen:

    Quote:
    T-Cup Tagebuch – 13./14.07.2009 PS Tuner GP Hockenheim
    Kategorie: Sport
    ‚SCHEISS DIE WAND AN! ICH HABE DIE SCHNAUZE GESTRICHEN VOLL…‘ höre ich mich selbst schimpfen…
    Es ist Tag 2 beim PS Tuner GP und ich habe es wieder einmal geschafft die Triple und mich selbst von der Strecke zu katapultieren. Laut Augenzeugen war es diesmal wohl so richtig dramatisch…

    Sonntag, 12.07.2009
    Wir sind bereits vor 2 Tagen in Berlin gestartet. Die Triple habe ich auf dem Weg von Berlin nach Hockenheim bei den Franzens abgeholt wo sie von meinem letzten Ausritt in Oschersleben kuriert wurde. Wenngleich der Sturz relativ unspektakulär war hatte ich wohl ganze Arbeit geleistet. Wenn ich bis jetzt noch darüber nachgedacht hatte die Triple eines Tages auch im öffentlichen Straßenverkehr bewegen zu können so hatte sich dies nun endgültig erledigt. Ein am Lenkkopf geschweißter Rahmen wird selbst beim freundlichsten TÜVer nicht gerne gesehen.

    Klaus-Peter ‚the rainman‘ Klotz und meine Wenigkeit haben soeben die 500 km Hockenheim im Rahmen der ADAC Conti Endurance Challenge erfolgreich hinter uns gebracht. Wir starteten als Letzte auf dem 77. Platz und kamen nach 3,5 Stunden und 96 gefahrenen Runden als 53. ins Ziel. Bei 62 gewerteten Teams macht das 15 Ausfälle und 9 Vollstreckungen. Rein rechnerisch hätte dirty ol‘ men racing mit der Startnummer 38 also nach ca. 11 Stunden die Endurance gewonnen .

    Es geht hier natürlich um den Cup! Aber Leute, was für ein Erlebnis. Ich glaube das brauche ich öfter. Diese Atmosphäre im Fahrerlager und in den Boxen übertrifft alles was ich bisher erlebt habe. Wir kommen wieder!

    Montag, 13.07.2009
    06.30 Uhr Annähernd zeitgleich geben drei Wecker in meinem Wohnwagen laut. Heike musste wieder einmal zuhause bleiben. Dafür haben mich aber meine Kumpels Tom und Karsten dankenswerter Weise nach Hockenheim begleitet. Zum Glück produzieren moderne Wecker keine Zündfunken. Ich hätte für die Sicherheit im Wohnwagen nicht garantieren wollen. 3 Kerle auf ca. 10 qm mit reichlichen Ausdunstungen von Weißbier und Cola-Mix-Getränken von der vorabendlichen Siegesfeier ergeben ein durchaus explosives Gemisch.

    07.00 Uhr Technische Abnahme ist erst einmal Fehlanzeige. Der Truck und die G-Lab/Franzen Box sind noch fest verschlossen. Ich trolle mich zu unserer Box zurück und hoffe auf einen ersten Kaffee.

    07.45 Uhr Herr PS himself leitet Begrüßung und Fahrerbesprechung. Hatte er sich tags zuvor noch ziemlich großmaulig als ‚ich bin hier der Chef‘ vorgestellt -was mich nur wenig beeindrucken wollte- fehlte es ihm heute Morgen an rechtem Stimmvolumen um sich Gehör zu verschaffen. Ich hab‘ irgendwie nur die Hälfte verstanden, war aber der Meinung dennoch alles Wichtige mitbekommen zu haben. JA, auch ich möchte Spaß haben und JA, ich bleibe fair zu meinen Mitstreitern und gelobe Zeitplan und Flaggen zu ehren und anzuerkennen.

    Ich wende mich ab und mache mich auf die Suche nach meinen Kumpels, die zwischenzeitlich meine und die Triple von Klaus bei Franky Hoffmann zur technischen Abnahme vorstellen wollten. Ich erreiche die Beiden in dem Augenblick in dem Franky die Form meines Tanks reklamiert, der noch deutlich vom letzten Kiesbettbesuch in Oschersleben gezeichnet ist. Ich darf ausnahmsweise mit der Hammerschlag-Lackierung starten, muss dies jedoch bis zum nächsten Start in Dahlem ebenfalls reparieren. Desselben gilt auch für den Frontkotflügel dessen dunkles Grau auch unter stärkster Sonneneinstrahlung einfach nicht weiß wirken möchte. Ja, das Reglement ist in dieser Hinsicht unerbittlich (ich habe das dann im Nachhinein nachgelesen, war ich anfangs doch noch etwas uneinsichtig…)

    Der weitere Tag beschert uns zwei freie Trainings sowie das 1. Zeittraining und das 1. Rennen. Im Rahmen des Tuner GP gilt pro Rennen ein Qualifying, was ich als sehr angenehm empfinde. Hätte ich theoretisch somit die Chance eine eventuell schlechte Startposition doch noch einmal zu verbessern.

    DAS SIEBENTE RENNEN
    Der Start ins Rennen ist bedingt durch die Streckenbreite extrem langsam. Vielleicht fühlt sich das aber auch nur für mich so an. Wahrscheinlich wird es lediglich den Ersten gelungen sein die Nordkurve mit Vollgas zu nehmen. Ich lande in einem Gewirr von Mistreitern und freue mich einmal mehr Plätze gut gemacht zu haben wie mir dies beim Start in den ersten Kurven schon sooft gelungen ist. Durch das Kurvengeschlängel bis zur Parabolika gelingt es mir auch noch weitere Plätze einschließlich meines Lieblingsgegners Klaus klar zu machen. Leider gehört die Parabolika aber auch nach dem Langestreckenrennen zu meiner größten Schwäche. Ich bin viel zu hektisch und unruhig auf der Triple, verliere dabei meine Linie und bekomme die Gänge nur nach jedem zweiten Anlauf rein. Das kostet Zeit. Lediglich bei der Einfahrt in die Spitzkehre hilft mir mein Gefühl für die Bremse nicht vom kompletten Fahrerfeld überholt zu werden. Späte Bremse bedeutet bei mir jedoch auch spät am Gas womit wird dann auch meine zweite Schwäche erkundet hätten.

    Überholende Cupies ziehen mich für ein paar Runden mit und ich habe das Gefühl Klaus weit hinter mir gelassen zu haben. Umso erstaunter bin ich jedoch als der Kerl nach einigen Runden in der Spitzkehre sein Vorderrad zur Schau stellt und an mir vorbeifliegt. Na warte Freundchen. Das klären wir…!

    Ich schaffe es an Klaus dranzubleiben und beobachte ihn für ein, zwei Runden. Die ‚Sachs‘ nehmen wir jeweils im Formationsflug, sehr zur Freude der anwesenden Fotografen, dessen auslösenden Fotoapparate scheinbar bis unter den Helm hörbar sind.

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    T-Cup Tagebuch – 13./14.07.2009 PS Tuner GP Hockenheim
    Kategorie: Sport
    ‚SCHEISS DIE WAND AN! ICH HABE DIE SCHNAUZE GESTRICHEN VOLL…‘ höre ich mich selbst schimpfen…
    Es ist Tag 2 beim PS Tuner GP und ich habe es wieder einmal geschafft die Triple und mich selbst von der Strecke zu katapultieren. Laut Augenzeugen war es diesmal wohl so richtig dramatisch…

    Sonntag, 12.07.2009
    Wir sind bereits vor 2 Tagen in Berlin gestartet. Die Triple habe ich auf dem Weg von Berlin nach Hockenheim bei den Franzens abgeholt wo sie von meinem letzten Ausritt in Oschersleben kuriert wurde. Wenngleich der Sturz relativ unspektakulär war hatte ich wohl ganze Arbeit geleistet. Wenn ich bis jetzt noch darüber nachgedacht hatte die Triple eines Tages auch im öffentlichen Straßenverkehr bewegen zu können so hatte sich dies nun endgültig erledigt. Ein am Lenkkopf geschweißter Rahmen wird selbst beim freundlichsten TÜVer nicht gerne gesehen.

    Klaus-Peter ‚the rainman‘ Klotz und meine Wenigkeit haben soeben die 500 km Hockenheim im Rahmen der ADAC Conti Endurance Challenge erfolgreich hinter uns gebracht. Wir starteten als Letzte auf dem 77. Platz und kamen nach 3,5 Stunden und 96 gefahrenen Runden als 53. ins Ziel. Bei 62 gewerteten Teams macht das 15 Ausfälle und 9 Vollstreckungen. Rein rechnerisch hätte dirty ol‘ men racing mit der Startnummer 38 also nach ca. 11 Stunden die Endurance gewonnen .

    Es geht hier natürlich um den Cup! Aber Leute, was für ein Erlebnis. Ich glaube das brauche ich öfter. Diese Atmosphäre im Fahrerlager und in den Boxen übertrifft alles was ich bisher erlebt habe. Wir kommen wieder!

    Montag, 13.07.2009
    06.30 Uhr Annähernd zeitgleich geben drei Wecker in meinem Wohnwagen laut. Heike musste wieder einmal zuhause bleiben. Dafür haben mich aber meine Kumpels Tom und Karsten dankenswerter Weise nach Hockenheim begleitet. Zum Glück produzieren moderne Wecker keine Zündfunken. Ich hätte für die Sicherheit im Wohnwagen nicht garantieren wollen. 3 Kerle auf ca. 10 qm mit reichlichen Ausdunstungen von Weißbier und Cola-Mix-Getränken von der vorabendlichen Siegesfeier ergeben ein durchaus explosives Gemisch.

    07.00 Uhr Technische Abnahme ist erst einmal Fehlanzeige. Der Truck und die G-Lab/Franzen Box sind noch fest verschlossen. Ich trolle mich zu unserer Box zurück und hoffe auf einen ersten Kaffee.

    07.45 Uhr Herr PS himself leitet Begrüßung und Fahrerbesprechung. Hatte er sich tags zuvor noch ziemlich großmaulig als ‚ich bin hier der Chef‘ vorgestellt -was mich nur wenig beeindrucken wollte- fehlte es ihm heute Morgen an rechtem Stimmvolumen um sich Gehör zu verschaffen. Ich hab‘ irgendwie nur die Hälfte verstanden, war aber der Meinung dennoch alles Wichtige mitbekommen zu haben. JA, auch ich möchte Spaß haben und JA, ich bleibe fair zu meinen Mitstreitern und gelobe Zeitplan und Flaggen zu ehren und anzuerkennen.

    Ich wende mich ab und mache mich auf die Suche nach meinen Kumpels, die zwischenzeitlich meine und die Triple von Klaus bei Franky Hoffmann zur technischen Abnahme vorstellen wollten. Ich erreiche die Beiden in dem Augenblick in dem Franky die Form meines Tanks reklamiert, der noch deutlich vom letzten Kiesbettbesuch in Oschersleben gezeichnet ist. Ich darf ausnahmsweise mit der Hammerschlag-Lackierung starten, muss dies jedoch bis zum nächsten Start in Dahlem ebenfalls reparieren. Desselben gilt auch für den Frontkotflügel dessen dunkles Grau auch unter stärkster Sonneneinstrahlung einfach nicht weiß wirken möchte. Ja, das Reglement ist in dieser Hinsicht unerbittlich (ich habe das dann im Nachhinein nachgelesen, war ich anfangs doch noch etwas uneinsichtig…)

    Der weitere Tag beschert uns zwei freie Trainings sowie das 1. Zeittraining und das 1. Rennen. Im Rahmen des Tuner GP gilt pro Rennen ein Qualifying, was ich als sehr angenehm empfinde. Hätte ich theoretisch somit die Chance eine eventuell schlechte Startposition doch noch einmal zu verbessern.

    DAS SIEBENTE RENNEN
    Der Start ins Rennen ist bedingt durch die Streckenbreite extrem langsam. Vielleicht fühlt sich das aber auch nur für mich so an. Wahrscheinlich wird es lediglich den Ersten gelungen sein die Nordkurve mit Vollgas zu nehmen. Ich lande in einem Gewirr von Mistreitern und freue mich einmal mehr Plätze gut gemacht zu haben wie mir dies beim Start in den ersten Kurven schon sooft gelungen ist. Durch das Kurvengeschlängel bis zur Parabolika gelingt es mir auch noch weitere Plätze einschließlich meines Lieblingsgegners Klaus klar zu machen. Leider gehört die Parabolika aber auch nach dem Langestreckenrennen zu meiner größten Schwäche. Ich bin viel zu hektisch und unruhig auf der Triple, verliere dabei meine Linie und bekomme die Gänge nur nach jedem zweiten Anlauf rein. Das kostet Zeit. Lediglich bei der Einfahrt in die Spitzkehre hilft mir mein Gefühl für die Bremse nicht vom kompletten Fahrerfeld überholt zu werden. Späte Bremse bedeutet bei mir jedoch auch spät am Gas womit wird dann auch meine zweite Schwäche erkundet hätten.

    Überholende Cupies ziehen mich für ein paar Runden mit und ich habe das Gefühl Klaus weit hinter mir gelassen zu haben. Umso erstaunter bin ich jedoch als der Kerl nach einigen Runden in der Spitzkehre sein Vorderrad zur Schau stellt und an mir vorbeifliegt. Na warte Freundchen. Das klären wir…!

    Ich schaffe es an Klaus dranzubleiben und beobachte ihn für ein, zwei Runden. Die ‚Sachs‘ nehmen wir jeweils im Formationsflug, sehr zur Freude der anwesenden Fotografen, dessen auslösenden Fotoapparate scheinbar bis unter den Helm hörbar sind.

    Einmal mehr bietet sich meine Chance auf der Bremse. Ich kläre Klaus innen in der Nordkurve, werde selbst aber wieder auf der Parabolika vollstreckt. Wir betreiben dieses Spielchen Runde für Runde und ich plane Klaus beim nächsten Mal im Überraschungseffekt in der Südkurve zu nehmen in der ich meine auch eine Schwäche von ihm entdeckt zu haben um ihn dann seiner Platzierung zu berauben .

    Just in diesem Augenblick fliegen die beiden Führenden an uns vorbei. Vollkommen verwirrt ob dieser so früh nicht erwarteten Aktion (bin wohl noch auf Langstrecke geeicht) verliere ich leicht meinen Anschluss zu Klaus und es gelingt mir nicht rechtzeitig in Schlagdistanz zu kommen. Also doch die Nordkurve! Bereits eingangs der ‚Süd‘ liege ich auf meiner Triple wie das aufgeklebte Dekor, komme früh ans Gas und kann mich an Klaus wie erhofft heran saugen. Aber was ist das? Plant Hellmich den Rest des Rennes freihändig, Hände zum Himmel zu fahren? Wohl kaum! Klaus schafft es gerade noch mit schlingerndem Hinterrad an Christoph, Hajo und einem weiteren Mitstreiter vorbeizufahren oder besser gesagt zu bremsen. Da haben wir im Eifer des Gefechts wohl die Zielflagge übersehen. Platz 16 für Klaus, Platz 17 für mich und eine riesige Gaudi sind die Früchte dieses Rennens für uns.

    Schulterklopfen und ein ‚you’ve save my day‘ diesmal von Klaus ‚the rainman‘ in der Box, die wir uns die Tage mit Wolff, Achim, Klaus, MO und dem Schweizer Gaststarter Erich teilen. Erich hat seine Triple leider im Training in der Ameisen-Kurve* pulverisiert und konnte heute nicht am Rennen teilnehmen. Hoffentlich bekommen er und sein Kumpel das bis Morgen wieder hin.

    Wir beginnen unseren Abend gebührlich mit einem Festmahl, das uns ‚Lieblingscaterin‘ Andrea zubereitet hat und auch die von Sport Evolution Franzen gespendeten Grillwürste nach abendlicher Siegerehrung lassen wir uns selbstverständlich nicht entgehen.

    *Quelle: Barth Lines

    Video:
    http://www.evisor.tv/tv/racing/wilde-reiter-gmbh-triumph-stre-9178.htm

    Dienstag, 14.07.2009
    AUSGESCHLAFEN! Was für ein Luxus. Unser 2. Zeittraining beginnt um 10.40 Uhr. Ich erfahre mir auf nasser Strecke den 13. Startplatz und stehe nun in einer Reihe mit dem Rainman, Thomas Diehl und Uwe Seitz (müsste auf der #31 laut Trainingsliste eigentlich Nils Müller sein, Ghostrider oder Druckfehler?), einem weiteren Gaststarter bei diesem Event.

    DAS ACHTE RENNEN
    Ich bin definitiv kein guter Starter! In der ersten Kurve verlassen 4 weitere Cupies mit mir die Strecke um sich von dem Grip des Asphalts in der Auslaufzone überzeugen zu können. Das Gerangel geht in der nächsten Kurve weiter. Die ‚Ameise‘ lässt mich ein paar Plätze gut machen und Klaus verschwindet wieder einmal aus meinem Blickfeld. Die Parabolika passt heute besser und ich kann in den ersten Runden einige, sonst schnellere Fahrer hinter mir in Schach halten. Irgendwann schleichen sich jedoch wieder die üblichen Fehler ein und ich werde nach hinten durchgereicht. Man will es kaum glauben was der ein oder andere Verbremser und eine geringfügige Abweichung von der Linie für Folgen haben kann. Meine Kondition ist diesmal nicht schuld daran. Ohne das ausreichende Maß an Konzentration läuft aber auch nichts…

    Es kommt wie es kommen soll. Klaus hat sich an mich heran gekämpft und überholt mich unerwartet vor der Einfahrt zum Motodrom. Entweder habe ich den falschen Gang erwischt oder Klaus hat eine neue Geheimwaffe. Ich fühle mich als ob ich parken würde als er an mir vorbei fliegt und kann dem nichts entgegensetzen. Bereits nach der ‚Sachs‘ hat Klaus geschätzte 50 m gut gemacht. Eine Lücke die sich nur schwer wieder schließen lässt. Doch zum Glück macht auch Klaus Fehler. In der ‚Süd‘ erwischt er eine gar missliche Linie und ich hänge wieder an seinem Hinterrad. Als Klaus vor der Nordkurve auf die Bremse geht lasse ich noch gut 20 m stehen und kann die Situation klären. Klaus kontert jedoch bereits am Eingang der Parabolika, auf der mir vorerst nur sein Windschatten bleibt. Die Spitzkehre geht an mich, die nachfolgende Gerade und leichte Rechts bis zur Mercedes-Arena jedoch wieder an Klaus.

    Shit, ich habe mich ein weiteres Mal verbremst und kann nur mit Mühe in der ‚Sachs‘ wieder Meter gut machen. Mein Plan steht jedoch fest. Klaus wird am Ende der Start/Ziel geklärt.

    Ich hätte davon ablassen sollen, aber irgend so ein ‚Mr. Hyde‘ war der Meinung dieser Plan ist nicht zu kippen. Klaus ist bereits voll am Gas als ich auf die Start/Ziel einkehre. Ich spiele wieder ‚duck & hyde‘ und sehe erst bei der 150 m-Marke wieder hoch. Klaus ist weiter entfernt als ich das erwartet hätte ich ziehe nach innen und erst jetzt beginnt Klaus zu bremsen. Ich bleibe noch etwas am Gas und suche ‚meine‘ Lücke. ABER DA IST KEINE! Viel zu spät realisiere ich, dass eine kontrollierte Flucht ins Gelände nicht mehr möglich ist. Ziehe ich durch brauche ich Klaus als ‚Anlieger‘, für einen Haken nach ,links‘ bin ich bei dem aktuellen Anstellwinkel schon zu weit an Klaus dran schießt es mir durch den Kopf. In beiden Fällen lege ich uns um.

    Mein letzter Gedanke ist ‚nur keine Kollision‘. Ich ziehe die Vorderbremse digital zu, merke wie das Hinterrad der Triple abhebt und ich im selben Augenblick abgeworfen werde. Ich fliege quer über die Fahrbahn und lande laut späteren Augenzeugenberichten erst hinter dem Kerb auf der gegenüberliegenden Fahrbahnseite. Der Aufschlag ist hart. Alle Viere von mir gestreckt lande ich mit dem Helm zuerst und schlage anschließend stumpf mit Brustkorb, Händen und Knien auf dem Asphalt auf. Mir bleibt die Luft weg und ich verspüre einen stechenden Schmerz in der Brust. Nach einem kurzen schwarz taucht ein wunderschöner Sternenhimmel vor meinen Augen auf. Ich versuche mich zu bewegen, werde aber durch irgendetwas daran gehindert. Ein herbeigeeilter Streckenposten befragt mich panisch nach meinem Befinden. Ich kann nicht antworten. Auch ein zweiter, gut gemeinter Versuch bleibt von mir ohne Antwort. Ich sehe mich vollkommen benommen um und entdecke den Grund für meine Unbeweglichkeit. Mein rechter Fuß steckt zwischen Auspuff und Hinterrad. Ich habe jedoch keine Schmerzen im Fuß und versuche ihn zu befreien. Der Streckenposten sieht mich noch immer hilflos und fragend an. Ich zeige auf meinen Fuß und bedeute ihm mir zu helfen. Keine Reaktion. Ich versuche mich ein Stück zu drehen und nun bin ich endlich frei.

    Als ich wieder auf den Beinen stehe folgt Star Wars Teil 2. Jetzt nur nicht wieder umfallen. Der Streckenposten mahnt mich zur Eile aus der Gefahrenzone zu kommen. Er hat wohl auch ohne Antwort realisiert, dass ich noch Herr über meine Motorik bin. Ich falle sprichwörtlich auf die Bank hinter der Streckenabsperrung und ringe weiter nach Luft. Ich werde dabei Zeuge des skurrilen Spektakels das der Streckenposten veranstaltet, der zwischenzeitlich wieder zur Triple gelaufen ist und versucht diese am Lenker hochzuziehen. Resigniert kehrt er zu mir zurück und bittet mich die Triple doch selbst aufzuheben und aus der Gefahrenzone zu bringen. Er hätte bereits mehrere Bandscheibenvorfälle und wäre dazu nicht mehr in der Lage. Er hätte Hilfe angefordert bis jetzt jedoch keine Antwort erhalten. Später stellte sich heraus, dass sein Funkgerät offensichtlich defekt war. Vielleicht konnte er mit dem Ding aber auch einfach nicht umgehen.

    Ich hole die Triple also aus eigener Kraft und bitte den Streckenposten sich von mir fern zu halten. Vielleicht war es etwas ungerecht, aber in diesem Augenblick war es mir vollkommen unverständlich, dass der Mann sich nicht zu helfen wusste. Er hätte wenigsten die gelbe Flagge holen und die anderen Fahrer warnen und mich/ uns damit sichern können.

    Das Rennen geht weiter. Diese Zuschauerposition ist mir ja leider nicht ganz unbekannt.

    Nachdem ich wieder einigermaßen klar bin beginne ich eine erste Inspektion. Erstaunlicher Weise hat die Triple trotz Überschlag wenig abbekommen. Die Lenkerarmaturen rechts sind vollkommen geschreddert, Lenker verdreht und rechts ca. 1 cm kürzer, nicht verbogen. Die rechte Fußrastenanlage ist der Kaltverformung erlegen und dürfte wieder einmal unbrauchbar sein (bietet LSL eigentlich auch Jahres-Abos an?), die Sitzbankabdeckung wurde von ihrem Lack befreit, leichte Kratzer am Auspuff gesellen sich zu den Anderen, der Heckrahmen rechts ist ca. 4 cm tiefer als links. Wenn ich müsste könnte ich das Schätzchen also in kürzester Zeit wieder fit machen . Muss ich aber nicht.

    Die Rückführung ins Fahrerlager erfolgt heute nicht auf dem Schandkarren. Ich stehe direkt gegenüber der Boxenausfahrt und meine Kumpels Tom und Karsten (auch die HD Connection genannt) eilen nach dem Rennen und entsprechender Freigabe durch die Rennleitung über die Strecke. Das Dementi ‚meines‘ Streckpostens (der mit der kaputten Funke!) wird mit wilden Gesten und dem ‚Pfadfindergruß‘ quittiert. Tom ist sauer, stink sauer. Auch aus seiner Sicht hatte sich der Streckposten komplett falsch verhalten. Tom selbst hatte die heran ballernden Fahrer mit wilden Gesten vom Streckenrand auf die Gefahrenstelle aufmerksam gemacht. Die gelbe Flagge, die in Höhe der Start/Ziellinie gezeigt wurde, wurde offensichtlich von den wenigsten Fahrern entdeckt.

    Mein Weg in unsere Box ist wie ein Spießrutenlauf. Ich versuche den Blicken der anderen Fahrer auszuweichen und starre stur geradeaus. In der Box angekommen kontrolliert Tom ein weiteres Mal meinen Helm und die Kombi. Für ihn ist klar, ich gehöre von einem Arzt untersucht. Ich wehre mich anfangs noch, lasse mich von ihm jedoch Richtung G-Lab Box zerren. Dort angekommen bietet sich Dietmar Franzen an uns zum Medical Center zu fahren.

    Ein Sanitäter untersucht mich und es ist so etwas wie Humor zurück gekehrt. Dietmar Franzen steht vor mir und lächelt mich rotzfrech an. Er sagt es wäre das erste Mal, dass nicht er derjenige auf der Bahre ist sondern ein Anderer. Wir frotzeln etwas über verlorene Punkte und meine schicke Unterwäsche in der ich nun vor ihm stehe. Zwei Sanis nehmen mich ins Kreuzverhör, fragen abwechselnd nach Adresse, Schmerzen, Unfallhergang und Krankenkasse. Ich versuche alles zeitgleich zu beantworten und schlage mich ganz ordentlich. Meine Birne scheint durch den Aufschlag also nicht weich(er?) geworden zu sein und die Knochen sollten auch noch heil sein. Dennoch überweist man mich in eine Unfallchirurgische Klinik in der Nähe, in der beim Röntgen meine Unversehrtheit bestätigt werden sollte. Gegen Halskrause und Bahre kann ich mich wehren. Eine Fahrt im Rettungswagen muss ich auf Weisung des Sanis jedoch akzeptieren, der sich um meinen Gesundheitszustand arge Sorgen macht.

    Fazit der Untersuchungen: Geprellter, linker Rippenbogen, diverse Prellungen an den Händen, Ellbogen und Knien. Keine Brüche und auch keine Gehirnerschütterung. Meinen Kumpels und mir fällt ein Stein vom Herzen. Karsten chauffiert Tom und mich zurück auf den Hockenheimring. Wir packen zusammen und machen uns nach Verabschiedung von den Cup-Kollegen zurück auf den Weg nach Berlin.

    Ich bin ein Glückskind und dankbar das ich Euch Habe! Danke an meine Kumpels Tom und Karsten für die technische, moralische und wer weiß was noch für Unterstützung die ich nicht in Worte zu fassen vermag. Danke an Andrea für ein vorzügliches Catering an den vier Tagen auf dem Ring, Klaus für die Teamarbeit und fairen Wettkämpfe, Wolff für die ‚Ersatzteil-Möppis‘ und theoretische Ring-Einführung.

    Ihr rockt alle und ich freue mich auf Dahlem!

    Quelle:
    http://www.myspace.com/mikewegner

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    #92185
    LH-RulesLH-Rules
    Teilnehmer

    Und hier der Bericht von Hajo: :icon_thumbs1 :icon_thumbs1

    Quote:
    T-Cup 2009
    13.-14.Juli, Hockenheim, Lauf 7 und 8

    Diesmal sah ich die Anzeige, noch eine Runde im insgesamt achten Rennen des T-Cups.
    Hockenheim, GP-Kurs. Bewölkt, kein Wind, die Haare liegen. Ich war an dritter Stelle und
    legte mir Peter Geh und Christoph Hellmich zurecht. Als Führungstrio unterhielten wir die
    Zuseher durch lustige Überholmanöver an möglichen und auch unmöglichen Stellen. Jetzt
    war Peter endgültig fällig, ich war gut drauf. Tatort Ameisenkurve, Eingang Parabolika. Die
    Ecke treffe ich ausnehmend gut und befehle digital vollen Schub an den Maschinenraum
    meines 105 PS Boliden. Um den perfekten Windschatten zu erwischen korrigiere ich mit dem
    Seitenruder und drücke die Triple weiter nach links. Das Heck kommt leicht quer, ist mir
    egal. Windschatten ist wichtiger, voller Schub bleibt befohlen. Das Heck kommt merklich
    quer, ich sinniere über diese Tatsache, kann mich aber noch nicht zu einer Reaktion
    durchringen. Das Heck ist nun wirklich unschön quer. Das Einzelkind in mir kommt durch.
    Allein schon aus Trotz bleibt das Gas auf, wär ja noch schöner. Millisekunden später ist das
    Einzelkind weg und ich total quer. Ich einige mich auf ein Unentschieden und schließe die
    Drosselklappen. Der Bridgestone gewinnt die Oberhand, die Street Triple baut Kompression
    auf und drückt mich aus dem Sitz. Immer schön locker bleiben während ich den Kotflügel
    von oben sehe. Lenker ruhig schlagen lassen, das wird schon wieder. Alles ok. Nur keine
    Panik. Als ich wieder auf dem Sitz lande und beide Räder kurzzeitig fluchten ist Gasanlegen
    trotzdem unmöglich. Der Dreizylonker schleudert unentschlossen hin und her, meine
    Haltungsnoten sind verbesserungswürdig, zum Glück sieht das hier keiner. Gefühlte 3
    Stunden später beruhigt sich das Mistding wieder, Peter und Christoph sind noch am Horizont
    zu erkennen, schöne Scheiße! Der Frustversuch, diese Rodeoeinlage durch ein
    Endzeitbremsmanöver am Ende der Parabolika auszugleichen endet selbstredend im
    Notausgang, wenns läuft, läufts einfach. Ist doch nicht zu fassen, da fahr ich die schnellste
    Rennrunde, stehe zweimal auf Pole, kann jede Lücke zur Spitze zufahren und steh doch nie
    ganz oben. Also eigentlich wie immer. Ein zweiter und ein dritter Platz werden am Ende im
    T-Cup Almanach stehen. Aber der Reihe nach.
    Im Rahmen des alljährlich stattfindenden TunerGP von PS war auch der honorige T-Cup
    eingeladen. Besonderheit wie schon im letzten Jahr waren eigene Zeittrainings für jedes
    Rennen. Dadurch ergab sich mehr Fahrzeit, was von allen Cuppies freudig zur Kenntnis
    genommen wurde. Viele nutzten das am Sonntag stattfindende 500km Rennen (neudeutsch
    300Meilen) als zusätzliche Übungsseinheit. Training kann man bekanntlich nie genug haben.
    Als ich am Sonntag kurz nach dem Start der Endurance-Nummer ins Fahrerlager eincheckte,
    knarrzte in der Ferne schon die erste Verkleidung über rauen Asphalt. Ich werd mich wohl nie
    an dieses eklige Geräusch gewöhnen. Auch in der Streetygemeinde gab es erste Opfer. John
    Riedemann rollte an mir vorbei, seine Schönheit sah nicht mehr ganz so schön aus. Ich folgte
    unauffällig und beobachtete das Treiben. Zu zweit bogen sie die Kleine wieder gerade, es
    waren einige Baustellen zu erledigen. Mein Blick fiel auf Fritz Spenners Lager ganz in der
    Nähe. Schönes Ding, war der zähe Hund also wieder am Start nach seinem
    Fischereihafenrennen-Einschlagsdesaster. Das traf sich gut, da ich einen ruhigen Ort suchte,
    um meine neue Geheimwaffe in Form einer 2006er Daytonagabel einzubauen. Die Dinger
    waren dieses Jahr offiziell erlaubt. Dämpfungsmäßig war ich mit den Serienteilen absolut
    zufrieden, aber durch die an der Daytonagabel verbauten Radialbremszangen mitsamt
    Radialbremspumpe erhoffte ich mir einen stabileren Duckpunkt. Bei dem Standardkram
    musste ich während den Rennen den Bremshebel nachstellen, das nervte langsam. Viel
    wichtiger war natürlich, dass der Hellmich auch eine Daytonagabel bzw. „R“-Gabel verbauen
    wollte. Da musste ich schon allein aus psychologischen Gründen gegenhalten.
    Als ich gerade alles für den Gabeltausch vorbereitet hatte, kam der Schrauber von John vorbei
    und berichtete, dass John gestürzt sei. Ich lächelte weise, wusste ich das doch schon.
    „Verrückt, der ist echt abgesprungen, ihm geht’s aber wohl soweit gut, nur die Triple ist voll
    eingeschlagen“. Ich ließ diesen Satz sacken. Irgendwas passte da nicht. Die hatten doch eben
    beide an dem Ding geschraubt. Wieso voll eingeschlagen? War doch noch überschaubar, der
    Schaden. Und abgesprungen? Wieso abgesprungen??? Man sah mir wohl die Verwirrtheit an,
    ich bekam ein genauere Aufklärung. John hatte nach Reparatur des Boliden die Strecke erneut
    geentert und in der ersten Runde Ende Parabolika einen Gasklemmer. Unmöglich, das Gas zu
    schließen. In so einer Situation hast du nur Millisekunden für eine Entscheidung, John wählte
    den rettenden Sprung ins Grün. Seine Triple allerdings schlug stumpf in der Bande ein und
    sah auch so aus. Normale Menschen wären jetzt zum nächsten Aldi gepilgert und hätten die
    Plastikbierreserven aufgekauft. John und Kollegen besorgten lieber kurzerhand ein komplettes
    Spendermopped und machten sich an die Arbeit. Ich mag solche Menschen.
    Auch Dennis Kaßburg, in diesem Jahr als Gaststarter dabei, verlor seine Streety in den Weiten
    des Hockenheimrings. Ergebnis waren zwei gebrochene Gabelholme, hier hieß es leider
    „Game over“. Aus zuverlässlicher Quelle weiß ich aber, dass auch seine Streety mittlerweile
    wieder unter uns ist.
    Mein Gabelumbau geriet ins Stocken. Merke: Bremsleitungen der Daytona sind zu kurz für
    den SB-Lenker. Um ca. 20 Uhr beglückten mich Markus Hehl und Frank mit gebrauchten
    Leitungen. Diese Dinger schienen direkt aus der Weltraumforschung entsprungen und waren
    mit grauem Stoff ummantelt, den ich so nicht kannte. Die roten Fittinge unterstützten die
    Optik. Damit würde ich definitiv gaaaanz vorn dabei sein, höhö. Doch bevor es soweit war,
    mussten die Dinger korrekt montiert und entlüftet werden. Allein von dieser Aufgabe könnte
    ich ein Buch schreiben, belasse es aber bei ein paar Fazitten: Die 14er Schrauben der
    Daytonabremsleitungen sind eigentlich 14,5er. Wo Gewalt nicht hilft, hilft noch mehr Gewalt.
    Markus Hehl hat jede erdenkliche Bremsleitungsschraube in jeder Steigung vorrätig.
    Bremsentlüftungsgeräte sind allesamt Höllengeräte, egal ob mit oder ohne Druckluft.
    Klasssiches Handentlüften nach dem Prinzip „Luft steigt nach oben“ geht am besten.
    Bremsleitungen wechseln kann lange dauern. Danke an alle für die Hilfe. Biertrinkende, mit
    schlauen Ratschlägen parat stehende Zuschauer sind doof. Ich mag euch trotzdem.
    Um 1 Uhr war endlich alles gerichtet und ich konnte ins Bett. Ich fand es um 3.
    Der nächste Morgen begann früh, die Fahrerbesprechung erwischte ich gerade noch
    rechtzeitig. Nach dem Frühstück stand ein strammes Programm auf dem Plan. Neben meinem
    Start im T-Cup hatte ich die Ehre, zwei Motorräder im Rahmen des TGP zu testen. Mehr dazu
    in den nächsten PS Ausgaben. Um pressetechnisch nicht aufzufallen, hab ich sogar eine neue
    Cupkombi geordert. Tanja Klemm hatte sie mit den Cupaufnähern versehen und brachte sie
    persönlich vorbei. Eine Standard 56er vom 2009er Cuppartner Rev’it. Die erste Anprobe
    erfolgte nachts im großen Fahrerlager. Bei Tageslicht wollte ich niemandem meinen
    behaarten Bauch zumuten. Was soll ich sagen, ich war positiv überrascht. Das optisch
    gelungene, ganz in schwarz gehaltene Teil saß wunderprächtig und mutete wesentlich stabiler
    an als das Vorjahresmodell. Nur die „Knie raus“ Übung klappte nicht wirklich. Hier war ein
    wenig Dehnarbeit angesagt. Neue Klamotten haben bei mir seit jeher eine unglaubliche
    Bodenanziehungskraft, ich warf das Teil daher zur Sicherheit direkt ins dunkle Fahrerlager,
    um das hinter mich zu bringen. Ist einfacher, als Kombi samt Mopped aus dem Kiesbett zu
    ziehen.
    Die Pressearbeit musste zunächst warten, ich legte alle Konzentration auf das erste Rennen,
    das mittags angesetzt war. Hockenheim ist technisch anspruchsvoll. Ich mag diese Strecke
    und im Gegensatz zu Schleiz scheint mir der badische Rundkurs auch besser zu liegen.
    Besonders die Schnelle Rechts nach der Kehre ist geil. Mit der Triple geht das Ding voll, aber
    Überwindung gehört jedes Mal dazu. Im Zeittraining konnte ich am Eingang der Parabolika
    gerade noch dem sauschnellen, aber rutschenden Gaststarter Erich Peter aus der Schweiz
    ausweichen. Kommentar seines Schraubers “Selber Schuld, warum hebt er sich das nicht fürs
    Rennen auf“ Schweizer können direkt sein. Damit blieb Startplatz 2 leer und ich stand recht
    einsam auf Pole. Ohne langes Vorspiel standen wir Montag Mittag an unseren Startplätzen.
    Die Ampel sprang von Rot auf Grün um. Ich glaub, ich hab noch nie grün gesehen, aber egal,
    wahrscheinlich nur eine Laune des Startmenschen. Noch ein kleiner Insider: Zu diesem
    Zeitpunkt sah der Streckenarzt auch schon grün (aus). Eine Runde im DienstBMW von
    Franzen als Medical Car hatten ihn nachhaltig dazu bewogen, alle weiteren Einsätze
    kategorisch abzulehnen. Im zweiten Rennen saß ein anderer Probant im Wagen. Wie es ihm
    erging, ist nicht überliefert. Vielleicht besser so.
    Zurück zum Wichtigen: Uli Bonsels, Pressemann von Triumph und mehrmaliger Gaststarter,
    schien in einer seiner selbstgedrehten Zigaretten irgendein ganz übles Zeug verbaut zu haben.
    Er stach in die erste Kurve als ob es kein Morgen gab und führte das Feld in die Parabolika.
    Ich war beeindruckt. Aber es war noch Zeit und ich sortierte mich hinter Christoph auf Platz
    Drei ein. Ein paar Angriffe von Peter blieben ohne Erfolg. Alle Versuche von Christoph, an
    Uli vorbeizugehen allerdings auch. Nach ca. 4 Runden merkte man Uli die Führungsarbeit an.
    Christoph drückte sich Ende der Parabolika endgültig vorbei. In der schnellen Rechts danach
    nahm auch ich die Bonselshürde, um den Anschluss an Herrn Hellmich nicht zu verlieren. Es
    folgten einige Runden, in denen ich problemlos folgen konnte und mich auch für die eine oder
    andere Kurve nach ganz vorne drückte. Christoph allerdings hielt jeweils sofort gegen. Ich
    brauchte einen Plan. Für ein Kevin Schwantz Gedenkmanöver eingangs Motodrom fehlten
    mir definitiv die Nerven. Aber die überhöhte Sachskurve war sehr nach meinem Geschmack.
    Hier kann man unglaublich spät auf die Bremse und hat im Notfall genug Luft, um „weit“ zu
    gehen (tolles Wort). Ich testete es ein paar Mal. Christoph war hier zwar schon spät dran, aber
    da ging noch was, die Stelle war würdig.
    Wir liefen auf erste Überrundete auf. In den letzten Rennen leider immer Momente, in denen
    ich den Kontakt zum Führenden verlor. Diesmal gab ich mir alle Mühe, es nicht abreißen zu
    lassen. In der vorletzten Runde war ich nach der Spitzkehre mal wieder dran. Jetzt oder nie.
    Ich verschenkte vor der Mercedesarena eine Lücke und legte mir Christoph ganz bewusst für
    die Sachs zurecht. Eingang Motodrom war ich dran und ging sehr früh ans Gas. Perfekt.
    Hellmich zog wie erwartet nach Rechts, ich konnte links in die Lücke. Ich liebe es, wenn ein
    Plan funktioniert. Als ich den Bremspunkt fokussieren wollte, stellte ich einen grünen Fleck
    auf meinem Visier fest. Ich war irritiert, der grüne Fleck wurde schnell größer. Was zur Hölle
    war das? Das grüne Ding schien auf einem Dreizylonker zu sitzen, aber er bewegte sich nicht,
    jedenfalls nicht merkbar. Als ich nah genug dran war, erkannte ich das ganze Ausmaß. Auf
    dem Rücken stand klar und deutlich „Nasty Molch, schnell und sexy“. Ok, „nasty“ war
    geschenkt, „sexy“ konnte ich nicht beurteilen, aber „schnell“ war der Witz in Tüten. Ich
    überlegte, ob ich bei genügend Speed einfach durch ihn hindurchfahren könnte, aber das war
    reine Theorie. Es geschah, was in solchen Situationen immer passierte, ich brach das Manöver
    ab. Hellmich kam außen wieder vorbei und ich raunte dem Molch beim Überholen ein leises
    „Fall tot um“ zu. Nun denn, ich brauchte einen neuen Plan. Auf Start/Ziel zeigte niemand
    etwas an, aber es konnten nicht mehr viele Runden sein. Die Zeit drängte. In der Kehre kam
    ich auf die Curbs und konnte erst sehr spät ans Gas. Ein dummer Fehler. Im Motodrom
    wühlte ich mich durch ein paar Überrundete, um Eingangs Start/Ziel endlich wieder dran zu
    sein. Vor uns alles frei. Jetzt ist er aber wirklich dran. Frank schwenkte die Fahne. Scheiße.
    Was? Die Zielflagge. Nein. Doch. Scheiße.
    Christoph und ich klatschten uns ab, schönes Ding, leider wie fast immer mit besserem
    Ausgang für ihn. Uli Bonsels führte die Verfolgergruppe an und holte sich seinen verdienten
    Podiumsplatz vor Fritz Spenner und Peter Geh. Es folgten mit jeweils größerem Abstand Mo
    Hoffmann und Robert Hielscher. Gut, dass der Arzt von Fritz nicht dabei war, er wähnte
    seinen Patienten zu Hause auf dem Sofa. Die Nachwehen vom Sturz in Bremerhafen
    verfolgten ihn noch immer. Mittwoch war die Nachuntersuchung angesetzt, bei der Fritz bei
    guter Genesung seine Schlinge ablegen sollte. Nur gut, dass er sich bis dahin im badischen
    Wellnesstempel schonte. Im Falle eines Sturzes lag schon eine Ausrede parat, unglaublich,
    welche Gefahren beim Bierkisten in den Keller bringen lauern.
    Das zweite Qualifying am Dienstag morgen fand bei feuchten Bedingungen statt. Weder
    Fisch noch Fleisch, bescheidener geht’s nicht. Man weiß nie, was man schon wagen kann. Ich
    hasse diese Bedingungen. Die allermeisten rückten auf Regenreifen aus. Ich testete mich
    vorsichtig an die Grenze, die Ideallinie war fast komplett trocken. Allerdings meide ich bei
    solchen Bedingen lackierte Oberflächen wie der Teufel das Weihwasser. Ich hab es im Laufe
    der Jahre mehrmals probiert, endete jedes Mal in Materialzerstörung. Nach einer guten freien
    Runde beschloss ich, dass Risiko nicht weiter zu erhöhen und rollte in die Box, für die erste
    Startreihe würde es schon reichen. Es stellte sich heraus, dass die anderen auch Probleme
    hatten, ich war wieder auf Pole.
    Entgegen aller Wettervorhersagen entschied sich Petrus, den Rest des Tages Trockenheit zu
    befehlen. Christoph montierte neue Reifen. Scheiß Gruppenzwang, ich holte mir auch welche,
    nicht dass es am Material scheiterte. Tanken, Luftdruck kontrollieren, Fahrwerk wieder auf
    Trockenbedingungen umstellen und Kamerasystem vorbereiten. Langeweile kam nicht
    unbedingt auf. Ich schaffte es übrigens erneut, mich beim Kamerasystem selbst zu überlisten.
    Alle Akkus waren komplett geladen, leider auch der Speicherstick. Der war randvoll mit
    altem Material. Der Film läuft, ich rolle nach der Aufwärmrunde in die Startaufstellung, die
    Spannung steigt, die Eisverkäufer verschwinden, der Vorhang geht auf und… Licht aus!
    Speicher voll, toll! Rennen Nr.8 ist daher leider nicht überliefert, schade eigentlich, hatte
    einige Höhepunkte. Fing schon damit an, dass ich in der Einrollrunde zum Vorstart übles
    Lenkerschlagen hatte. Aber nur in Linkskurven. Ich zermarterte mir das Hirn, was das sein
    könne. Es war so extrem, dass hier etwas grundsätzliches nicht stimmte. In Rechtskurven war
    alles ok. Ich stellte mich in die Rasten, konnte aber nix ungewöhnliches erkennen. Panik kam
    auf, mit dem Gezappel ist Rennen fahren unmöglich. Im Geiste ging ich den
    Vorderradwechsel durch. Ich war mir sicher, alle Schrauben korrekt angezogen zu haben. Ich
    rollte in die Startaufstellung, um besser nachschauen zu können. Wäre der Fehler
    unauffindbar, wäre das Rennen für die #45 nach der Warm Up Lap aber definitiv zu Ende.
    Hektisch kontrollierte ich den Vorderbau. Endlich sah ich das Problem. Ich Vollpfosten hatte
    den Bridgestoneaufkleber auf dem Reifen gelassen. Das Ding klebte links und sorgte für
    lustigen und plötzlichen Gripverlust. Ich bat Fahnenschwenker-Frank völlig entspannt, mir
    dass Scheißding da wegzumachen. Frank blickte mich an, sah den Sticker und schüttelte den
    Kopf. Er puhlte mir das Ding immer noch lachend vom Vorderrad, ging er von der Strecke
    und deutete auf die Ampel. Immer wieder ein unbeschreiblicher Moment. Man riecht das
    Adrenalin geradezu.
    Diesmal wartete man vergebens auf Grün. Hellmich und Bonsels stachen an mir vorbei, ich
    konnte mich aber kurzfristig wieder auf Zwei schieben. Ich fuhr diesmal nicht taktisch. Jede
    Gelegenheit wurde zu vernünftigen Ausbremsmanövern genutzt. Hellmich konterte jeweils
    sofort. Nach ein paar Runden drehte ich mich um und musste Peter im XXL-Format
    betrachten. Diesmal waren wir also zu dritt vorne. Ich ließ Christoph einen Moment in Ruhe,
    um mich von ihm ziehen zu lassen und evtl. Peter loszuwerden. Klappte leider nicht. Also
    doch Angriff. Ende Start/Ziel war ich besser als er, ich holte ihn mir ganz nah ran, um dort
    einen Angriff zu starten. Gelbe Flaggen verhinderten den Plan. Wie sich herausstellen sollte,
    hatte Mike Wegner #66 im Zweikampf mit Klaus-Peter Klotz Ende Start/Ziel einen
    fulminanten Stoppie hingelegt und sich formatfüllend in der Auslaufzone verteilt. Christoph
    nahm Gas raus, überraschend früh, überraschend viel. Ich lief mit viel zu viel Speed auf ihn
    auf. Jetzt wird’s aber eng, schoss mir noch durch den Kopf, als ich eine Notbremsung
    einleitete. Man kennt das, Luft einatmen, Bauch einziehen, große Augen, das ganze
    Programm. Und es war eng. Mit wimmernden Vorderrad schoss ich um Sackhaaresbreite
    links an Christophs Hinterrad vorbei. Warum ich das nicht berührt hab, kann ich mir bis jetzt
    nicht so recht erklären. Eine Briefmarke hätte jedenfalls nicht mehr dazwischen gepasst.
    Durch diese Aktion kam ich quasi in Schrittgeschwindigkeit aus der Ecke und Peter flog
    vorbei, schöner Mist. Ich brauchte eine Runde, um wieder an Peter ranzukommen. Auf der
    Zielgeraden war immer noch Gelb, Peter und ich liefen auf einen sehr langsam fahrenden
    Christoph auf. Technisches Problem? Abbruch? Öl? Im Rennstress schwirrten wirre
    Gedanken durch meinen Kopf. Peter überholte. Ich auch. Vor mir wedelte der nächste Gelb.
    Scheiße, ich war unter gelb an Christoph vorbeigehämmert. Geht nicht, solange er nicht
    defintiv ein technisches Problem hat. Ich drehte mich um und winkte ihn wieder vorbei. Wir
    schauten uns etwas verwirrt an. Er schien aufgrund des schweren Unfalls mit einem Abbruch
    zu rechnen. Der kam aber nicht. Ich zeigte auf Peter, der schnell davon eilte. Endlich ging
    auch Christoph wieder ans Gas, aber der Abstand zu Peter war mittlerweile enorm. Wir
    brauchten zwei oder drei Runden, um wieder dran zu sein. Noch zwei Runden. Ich lag auf
    drei, hatte aber alles unter Kontrolle. Mein Plan stand. In der letzten Runde würde ich
    zuschlagen. Leider kam der oben erwähnte sackdoofe Fasthighsider dazwischen. Also wieder
    nix mit Sieg. Auch Peter konnte den erneuten Sieg von Mr. T-Cup nicht verhindern. Ergebnis
    sind 18 Punkte Rückstand vor den letzten beiden Rennen auf der Dahlemer Binz. Eigentlich
    eine lösbare Aufgabe, ich siege zweimal vor Peter Geh und bin Meister, höhö.
    Soviel zur Theorie, wie es in der Praxis aussieht, sehen wir am 29. August. Wir sehen uns in
    Dahlem…

    #45

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