Testbericht – Ducati Multistrada S

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    Ducati Multistrada S

    Eine Ducati verlangt ein gewisses Maß an Stil, Haltung und Fahrkönnen. Die Multi assistiert mit Elektronik

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    Ducati Multistrada
    Hier ist Multi-Kulti nicht gescheitert. Italien und Schweden verstehen sich prächtig.

    Eine Ducati war nie ein Motorrad zum dran Rumspielen. Jeder, dem die große Ehre zuteil wird, eine rote Göttin zu besitzen, sollte wissen, was er tut, ob er jetzt selbst dran schraubt oder nur damit fährt. Ein erhöhtes Mindestmaß an geschichtlichem Wissen, fahrtechnischem Können und sorgfältiger Pflege ist man einer Ducati einfach schuldig. In diesen Tugenden Zurückgebliebene können so ein Motorrad durchaus verschandeln. Mein Defizit sehe ich ausschließlich in der sorgfältigen Pflege, wie hätte ich es aber auch je lernen sollen, wenn ich meine Kräder nach spätestens 2 Wochen wieder retourniere? (Nur den goldenen Saft Shell Advance Racing X 4T SAE 20W-60 kenne ich schon.) Was die bologneser Geschichte anbelangt, so kann ich berufsbedingt auf eine breite Quelle der Information zurückgreifen. Ich weiß, wo was herkommt, und ich weiß ungefähr, wo es hingeht. Auch beim Thema Fahrtechnik würde ich mir mindestens eine 2+ eintragen (überirdische Profirennfahrer und Hobbyveteranen nicht in der Klasse). Ich bin ganz zufrieden. Und dann treffe ich auf sowas wie eine Ducati Multistrada und erkenne, dass ich noch lange nicht dort bin, wo ich geglaubt habe, zu sein.

    Es gibt Motorräder, die sind so entwickelt und gebaut, dass sie ihrem Fahrer kaum etwas abverlangen. Sie geben auch nicht besonders viel, aber das ist das Gesetz des Energieerhaltungssatzes. Wer nicht bereit ist, viel reinzustecken, der wird auch nicht viel rausbekommen. Bei der Multistrada ist das anders. Erst wenn man genügend reinsteckt, kommt richtig was raus. Mit anderen Worten: 90% aller Fahrer werden die Multi gehörig unterfordern und wahrscheinlich nie verstehen, wozu der mit Elektroniksteroiden vollgepumpte Abfangjäger im Stande ist. Und ich behaupte jetzt nicht, dass ich das bereits herausgefunden hätte.

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    Vollgepumpt mit Elektroniksteroiden.

    Fest im Sattel der Mulstistrada steckend, hat man das Gefühl, man wäre in den Wagon einer Achterbahn geschnallt. Der kantige Soziuspolster klemmt das Gesäß zwischen sich und dem Tank fest, Herumrutschen wird neben dem geringen Platzangebot durch einen griffigen Sitzbankbezug zusätzlich unterbunden. Die Beine fügen sich perfekt in die schlanke Taille der Ducati ein. Sie will, dass man eins mit ihr ist. Nicht falsch verstehen. Die Geometrie der Multi ermöglicht auch groß gewachsenen Reitern eine komfortable Haltung, aber wer sitzt, der sitzt eben richtig.

    Der von Handprotektoren mit integrierten Blinkern flankierte Lenker könnte hingegen dem einen oder anderen schon zu breit sein, ich persönlich steh’ da sehr drauf. Nichts gibt mir ein stärkeres Gefühl der Kontrolle auf einem hochgestellten Powerbike, als ein breiter, wohl geformter Lenker. Aber selbst wenn es auf der Sitzbank zwickt und der Lenker zwackt, hat man erstmal den Testastretta zum Leben erweckt, sind alle anderen Kleinigkeiten vergessen. Dieser Motor macht jedes Motorrad zum Erlebnis, man kann sich seiner fast furchterregenden Aura nicht entziehen. Da reicht schon der Serienzustand aus, um Augen und Hosen feucht werden zu lassen. Und der Sound verspricht nicht zuviel. Die Leistungsniveau der Multistrada liegt deutlich über jenen von Tiger, SM-T oder GS. Auch mit ABS und Traction Control an Board ist es nicht ratsam, den Desmo gedankenverloren zu reizen. Es könnten die letzten Gedanken sein, die du verlierst.

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    Motorrad fahren. Nicht Playstation spielen.

    Mehr Gnade als vom Motor darf man sich vom Handling erwarten. Nicht nervös und im Winkelwerk mit etwas Nachdruck zu bedienen, ist es das Fahrwerk, dass die heißblütige Italienerin unter Kontrolle hält. Das voll einstellbare Öhlins Fahrwerk kann elektronisch dem persönlichen Fahrstil und Komfortbedürfnis angepasst werden. Nur, damit ungefähr klar ist, wieviel Elektronik in der Multi steckt: 4 verschiedene Fahrmodi anwählbar, Ride by Wire System, Keyless Go, elektronische Lenkradsperre, Traktionskontrolle, Ducati Electronic Suspenion, ABS System. Wer noch ein paar Elektrogeräte mitnehmen möchte, der kann noch ein Garmin Navi direkt beim LCD Display und zwei Haushaltsgeräte nach Wahl(z.B. Fön und Smoothie Maker von Pepi Rössler) an den zwei 12 Volt Steckdosen anschließen.

    Man könnte also annehmen – oder befürchten – dass die Elektronik nicht nur unser Hirn, sondern auch unsere Eier ersetzt. Nun, noch scheint es nicht so weit zu sein. Ich hatte das Gefühl, beides noch selbst kontrollieren zu müssen (womit kontrolliert man das Hirn??) und vor allem von letzterem brauchte ich mehr als üblich, wenngleich man sich immer öfter fragen muss, wieso uns die Motorradfirmen – oder das KfV, oder die EU, oder die CIA, oder die Freimaurer…- nicht mehr das tun lassen wollen, was wir eigentlich möchten. Motorrad fahren. Nicht Playstation spielen. Was die Technik übernimmt, das kann der Mensch lassen. Bald wird die Elektronik beginnen, zu lernen und wir werden damit aufhören. Die Multistrada entkommt der elektronischen Fußfessel noch, indem sie ihr mit brachialer Gewalt entgegenwirkt. Wie lange kommt sie noch dagegen an?

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    Quelle: http://www.1000ps.at

    #113688
    SchleicherSchleicher
    Teilnehmer

    Sieht gar nicht so schlecht aus.

    Die alte Aprilia ging ja mal gar nicht.

    Glaube die wurde auch zum häßlichsten Bike gewählt.

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