Testbericht – Bridgestone R10

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    Bridgestone R10

    Intensivtest des neuen Bridgestone Rennreifens R10 bei KTM TNT in Mugello. 300 km/h.

    bridgestone_r10_1.jpg
    Kurvenfahren zu dem Zweck, zur Start-Ziel-Geraden zu kommen.

    Bridgestone R10

    Ein Reifen wie mit dem Samuraischwert geformt. Mit Bridgestone und Banzai im Highspeed-Himmel.

    299. Die Zahl erinnert mich momentan an die Heimat. Obwohl 850 Kilometer von zu Hause entfernt, fühle ich mich gerade ganz daheim. Im Sattel eines österreichischen Motorrads, in den Handschuhen eines österreichischen Herstellers und im Geschwindigkeitsbereich einer österreichischen Rennstrecke. Ja, die teuflische Zahl 299 lenkt meine Gedanken unweigerlich auf die Gegengerade am Salzburgring. Auch hier in Mugello sollte ich jetzt dem Lenker einen leichten Impuls geben, damit das Mensch-Maschine Geschoß ein paar Grad nach links abbiegt. Und auch hier brauche ich von der Durchschnittsgröße abweichende Eier, um am Gas zu bleiben. Vor dem Linksknick, der nach dem Bergaufstück im letzten Viertel der Start-Ziel Geraden wie aus einem Wurmloch heraus auf ein weites Plateau – den Bremszonenhorizont – führt, und somit auf der Gefahrenskala eines beruflich bedingten Hobbyracersimulanten als Hügel eingestuft werden muss, schaue ich jede Runde auf den Tacho. 299. Eine höhere Zahl ist an dieser Stelle nicht vorgesehen. Endgame. Wahnsinnige Geschwindigkeit.

    299 vor dem Bremszonenhorizont.

    Der Blick auf das Display in dieser Phase sollte sehr schnell erfolgen. (Sie haben ihn übrigens gerade verpasst.) Kurz auf Pause. Mein Blick ist wieder nach vorne gerichtet, das Motorrad fertig eingenordet. Während das emotionale Zentrum die Ausschüttung eines Endorphin-Achterls vorbereitet, versucht der hochkonzentrierte Denkapparat die Aufmerksamkeit der Motorik auf die Zukunft zu lenken, die in 200 Metern stattfinden wird. (Wir lassen das Band Bild für Bild weiterlaufen.) Geschwindigkeit des Fahrzeugs unverändert 299. Bild…Bild…Bild…BMW…Bild…Bild… Links von mir hat es gerade Zoom gemacht. Wie kürzlich der Vergleich mit der ZX-10R gezeigt hat, ist die BMW S 1000 RR in Sachen Leistung nach wie vor und mit deutlichem Abstand das Maß der Dinge. Daran kann auch meine RC8-R nichts ändern.

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    Die Faust von Ali gegen die Handkante von Bruce.
    Aber Mugello ist im Gegensatz zum Salzburgring einer richtigen Rennstrecke ähnlicher als einem Highspeed-Oval und deshalb werte ich die soeben erlittene Niederlage als reinen Akt der Höflichkeit meinerseits, denn wenn das Motorrad des Herren, den ich nicht kenne, der aber trotzdem mein Feind ist, schon 193 PS hat, dann soll er schließlich auch was davon haben. Also bitte mein Herr, die erste Kurve ist ihre. Schön gemacht. Nach einer sehr kurzen Beschleunigungsphase wechselt die Strecke ihr Gesicht und in einer engmaschigen Links-Rechts-Kombi erkennt man den Unterschied zwischen Handling und hantig. Den Trumpf habe ich in den Karten, spiele ihn aber noch nicht aus. Hier agiert die BMW wie die perfekt geführte Faust von Ali, die KTM wie die messerscharfe Handkante von Meister Bruce.

    er Vorgang wiederholt sich seltsamerweise im nächsten Teilstück. Der Vorbeigelassene zeigt sichtlich Einsatz. Probleme, mein Lieber?! Er muss es nur sagen! Das Besteck ist poliert, die Hände auf dem Tisch und das Haupt in freudiger Erwartung in die Höhe gereckt. Soll ich die Serviette auf die Oberschenkel legen, oder – wie es sich eigentlich nicht mehr geziemt – in den Hemdkragen stecken? Könnte schließlich ein ziemliches Massaker werden. Die Kurveneingänge gehören alle mir, ich finde nur keinen Weg aus dem Würgegriff im Scheitel, ein Risiko will hier niemand eingehen, die Disziplin ist hoch, die Professionalität am Streckenrand ebenso.

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    Irgendwann richte ich ihn mir dann so her, dass ich innen vorbeigehen und trotz engerem Radius voll raushämmern kann. Genau das ist das richtige Wort für diesen kraftvollen und dennoch herrlich harmonischen Motor. Ich habe heute keinen Fehler gemacht, den mir der V2 nicht verziehen hätte.

    Ich wünschte, ich hätte dem Bayrischen seinen Fehler auch verziehen, aber heute hat der sündenvolle Siegeswille über den christlichen “Die Letzten werden die Ersten sein”-Zinnober gesiegt wie der oberösterreichische V2 über den bayrischen R4. Klappe, sechster Turn zu Ende. 2 Stunden Fahrzeit. Wir werden noch drei Turns fahren an diesem Tag und hätten somit 240 Minuten auf dieser geputzten und gestriegelten Rennstrecke abgefeuert.

    Kein Fehler, den der V2 nicht verziehen hätte.

    Der Reifen: Bridgestone R10. Der bereits im Februar auf der Linzer Messer gezeigte Supersportreifen einer neuen Bridgestone-Generation mit neuer Nomenklatur, hat mit seinem außergewöhnlichen Profil im Vorfeld viel Aufsehen erregt. Die neuartigen 3D-Profilrillen sehen aus wie mit dem Kurzschwert aus dem Gummi geschlagen.

    Auf den ersten Blick nicht harmonisch, nicht präzise. Ein Werk roher, nicht kanalisierter und damit sinnloser Gewalt. Wie der Test auf der gnadenlos unparteiischen Rennstrecke von Mugello gezeigt hat, teilt der Reifen aber sehr gezielt Watschen aus. Dieser Ring ist recht harmonisch gezogen und verlangt von einem Fahrer nicht viel Zeit, um sich auf ihn einzustellen. (Oder ich bin einfach schon so gut.)

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    Vergessen, dass Mensch und Motorrad trennbar sind.
    Wesentlich stärker gefordert ist das Material, das mit der Routine des Fahrers immer härteren Belastungen aus-gesetzt ist, während man selbst einen gleichmäßigen Rhythmus finden kann, der einen konsequent nach vorne schiebt. Die Gedanken verlieren sich nicht auf der Strecke, sie konzentrieren sich. Das ist der Punkt, an dem man beginnt zu vergessen, dass Mensch und Motorrad zwei trennbare Objekte sind. Unser Runner’s High. Und ab diesem Moment verlangt man mit fast unverschämter Selbstverständlichkeit, dass alles perfekt funktioniert, auch wenn man in Wirklichkeit selbst das schwächste Glied in der Kette ist und das perfekte Funktionieren von den eigenen, beschränkten Fähigkeiten abhängig ist. Ein komischer Gedanke. Alles am und ums Motorrad funktioniert besser als ich, aber auch irgendwie immer nur so gut wie ich.

    Am Ende des Tages ist der in enger Zusammenarbeit mit Valentino Rossi entwickelte Reifen immer noch besser drauf als ich. 3 Stunden Fahrzeit bei 25 Grad in der Sonne und unter dem Druck von 180 PS entsprechen locker der Belastung an einem gesamten Speed Weekend. Gefahren wurden 4 Turns zu je 40 Minuten. Der letzte Turn wurde aus gesundheitlichen Gründen nach 20 Minuten abgebrochen. Wir waren einfach schon überfordert. Der Reifen nicht.

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    Quelle: 1000ps.at

    #112704
    SkydiveSkydive
    Teilnehmer

    Liest sich sehr gut… ist nur noch etwas teuer…. :icon_down

    #112705
    Sockesocke
    Teilnehmer

    Also ich weiß nicht, was ich von dem Reifen,speziell dem Hinterreifen halten soll.
    In OSL beim BS war der quer eingerissen bei nem Bekannten auf ner BMW und wenn man andere Testberichte liest, dann ist da über den HR auch soetwas angedeutet.
    Aber alle sind sich einig, dass der VR super sein soll.

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