Testbericht – Aprilia Tuono V4R

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    Aprilia Tuono V4R

    Die Tuono V4R versetzte uns in eine Schockstarre. Mit soviel Brutalität hätte keiner gerechnet.

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    Aprilia Tuono V4R
    Donnerwetter! Die neue Tuono verwässert den Unterschied zwischen Naked- und Superbike endgültig.

    Wie oft wird mir diese Frage gestellt: „Du kot, was soll ich mir kaufen? Ich will was, das gut ausschaut und ordentlich Kraft hat. Es soll aber nicht nur zum Vollstrecken auf der Hausstrecke taugen, sondern auch für eine ausgiebige Tour oder sogar Reise zu gebrauchen sein. Manchmal fahre ich auch zu zweit und selten aber doch auf der Rennstrecke. Und im täglichen Gebrauch will ich weder einen geistigen Zusammenbruch noch einen körperlichen Bandscheibenvorfall erleiden. Die Sitzposition sollte aufrecht sein, das Motorrad aber nicht unsportlich wirken, mit ausreichend Windschutz, aber ohne Vollverkleidung…(Liste der Forderungen unendlich erweiterbar. ) Und wie oft muss ich darauf antworten: „Woher soll ich das wissen?“ Aprilia hat die Antwort.

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    kot hat keine Antwort. Aprilia schon.

    Die Tuono genießt seit jeher eine Sonderstellung am gehobenen Nakedbikesektor. Denn sie war schon immer die Einzige, die behaupten konnte, ein echtes, nacktes Superbike zu sein. Das bewies nicht nur das äußere Erscheinungsbild, dessen scharfkantige Verkleidungsteile wie die Überreste einer kontrollierten Sprengung aussahen, weil man zu faul war, die Plastikverschalung einfach abzuschrauben. Der insektoide Scheinwerferkopf mit einem Mini-Windschild zwischen den Augen war das Markenzeichen der letzten Tuono und die neue hat das aggressive G’schau beibehalten. Die Augen wurden größer, die Ansaugkanäle rückten zur Seite und alles wurde noch düsterer, noch gefährlicher. Und mit so einem Heck kommt sowieso nur Aprilia durch.

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    Mit dem Heck kommt nur Aprilia durch.

    167 PS in einem Nakedbikegestell bedürfen keinerlei Erklärung. Es gibt schlicht keine. Schön daran ist einerseits, dass jeder, der die Tuono unbedarft mit dem Gasgriff sekkiert, entweder den Sternenhimmel sieht (beim „One-O’clock Wheelie“), oder die Sterne (beim „Now-it’s too-late-Wheelie“) Andererseits hat Aprilia auch auf die Weicheren unter uns nicht vergessen und deshalb stellt uns die V4R zur Wahl, ob wir uns dem vollen Hammer, dem gemilderten Hammer oder dem sanften Hammer aussetzen möchten.

    Wie schon andere Aprilia Modelle vor ihr verfügt die neue Tuono über die 3 Fahrmodi Track (volle Power), Sport (volle Power, abgeschwächter Leistungseinsatz) und Road (um 25% reduzierte Leistung, sanfte Gasannahme) Angesichts unserer Teststrecke, dem Pannoniaring, fiel uns die Wahl sehr leicht. Nur die Aprilianer Hengstberger und Baldinger, die Minuten zuvor die Tuono mit einer Vorsicht und einem Stolz aus dem Transporter geschoben hatten, als würden sie eine selbst geschnitzte Marienstatue aus filigranen Zuckerfäden bewegen, hatten einen anderen Vorschlag, zumal Motor und Reifen der Tuono noch frisch aus der Fabrik kamen. Insofern hatten wir ein klein wenig Verständnis dafür, dass wir den ersten Rollout im abgezwickten Roadmodus absolvieren mussten, was sich – wie so oft – im Nachhinein gesehen als gute Idee erweisen sollte, denn an so ein Tier muss sich jeder Fahrer erst einmal gewöhnen. Man darf nicht vergessen, wir hatten es immer noch mit gut 125 PS zu tun.

    25% weniger Leistung, immer noch 125 PS.
    Zunächst überraschte uns, dass Sitzposition und Geometrie so stark an die alte Tuono erinnern. Das Motorrad fühlt sich nicht fremd an, wer die V2 Version kennt, der wird sich schnell mit der V4 anfreunden. Man fühlt sich sofort in control und erhaben, auch wenn die Sitzhöhe mit 835 mm eher im unteren Durchschnitt liegt (Zum Vergleich: KTM Superduke 860 mm, Ducati Streetfighter S: 840 mm, MVAgusta Brutale 1090 RR: 830 mm) Dieses majestätisch-machtvolle Gefühl entsteht sicher auch durch den breiten, hohen Lenker, der genauso ist, wie wir uns das von einem Nakedbike dieses Formats erwarten. Als würde man sich in einer Bar vor jemandem aufbauen, beide Fäuste auf die Budl gestemmt. Ja, die Tuono ist bestimmt nicht gekommen, um sich vor irgendjemandem zu verstecken.

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    Die harten Bremsen lassen auf die Leistung schließen.
    Im Road Modus verhält sich die Tuono potent, aber nicht brutal, das heißt sie schafft es hervorragend, ihren wahren Charakter zu verbergen. Die eingeschränkte Leistung passt für ein paar zügige, stressfreie Runden und wird bei Regen unbedingt zu empfehlen sein. Welche Power tatsächlich in dem 167 PS und 112 Nm starken V4 Reaktor steckt, lassen die Bremsen schon jetzt erahnen. Sie wurden gebaut, um es mit etwas aufzunehmen, dessen Macht unsere Vorstellungskraft übersteigt. Die beiden radialen 4-Kolben-Festsättel von Brembo verbeißen sich in zwei 320 mm Scheiben wie ein Pitbull in einen Unterarm. Wer nicht sanft damit umgeht und rechtzeitig loslässt, wird auch hier viel Schmerz ernten. Gibt es in dieser Härte nur von Ducati als monobloc. Beim Thema Kompromisslosigkeit kann sowieso nur der Streetfighter aus Bologna mitreden. Doch die Tuono legt noch ein Schäufelchen nach ins Höllenfeuer.

    Im 125 PS Betrieb fragt man sich recht bald, wozu man einen ganzen Elektronikbaukasten bestehend aus Traction Control, Wheelie Control, Launch Control und Aprilia Quick Shift (Gänge mit den Fingern durchfetzen) mit sich herumschleppt. Mit offener Leistung weiß man es dann. Der V4 reißt an der Kette, als wolle er aus dem wunderschön polierten Aluminiumrahmen herausspringen. Man versteht auch sofort Sinn und Zweck der beinharten Abstimmung der 43 mm Sachs Upside-Down Gabel und des Federbeins aus dem selben Hause. Auf den Zwischengeraden ist die Tuono kaum zu bändigen, bis die nächste Bremszone kommt, muss man versuchen, das Bewusstsein wieder zu erlangen, um den Scheitel zu treffen. Mit dem messerscharfen Handling und der Anti-Hopping Kupplung eigentlich kein Problem, die Schräglagenfreiheit endet erst in der Horizontalen.

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    Der V4 Orkan verstreut dich in alle Winde.
    Doch die Tuono stellt die Zeichen auf Sturm, immer und zu jeder Zeit. Nächster Kurvenausgang. Voll. Es sollte immer mindestens eines der beiden Systeme – Hirn und Elektronik – hochgefahren sein, sonst verstreut dich der V4 Orkan in alle Winde. Es könnte durchaus möglich sein, dass man mit der Tuono die Welt umrunden kann – auf dem Hinterrad. Die radikale Kraftentfaltung und der relativ kurze Radstand von 1445 mm (Streetfighter S: 1.475 mm,Superduke R: 1450 mm) machen die Italienerin zum Wheelie-Tier par excellence (bei abgeschalteten Fahrhilfen), nur ist besonders im Track-Modus viel Gefühl in der rechten Hand gefragt. Am besten einfach im zweiten Gang die Front heben und endlos durchziehen.

    Die eingangs erwähnte Nähe zum Superbike stimmt natürlich nicht ganz. Aprilia hätte kaum so lange gebraucht, um eine Verkleidung abzubauen. Die Geometrie der Tuono ist völlig unterschiedlich, das Einlenkverhalten nicht zu vergleichen, das Handling anders…nur die Kraft ist ebenso abartig wie im SBK-Ableger. Dass man die Tuono selbst für ausgiebige Touren und Reisen verwenden kann, war auch nicht ganz richtig, es sei denn, man ist die Folterbänke von Supersportlern gewohnt. Sitzbank und Fahrwerk bieten nichts, was man als durchschnittlich verwöhnter Zweiradfahrer als komfortabel bezeichnen könnte. Wer also Kilometer fressen will, der sollte unbedingt die Federelemente für seine Zwecke adaptieren und die Sitzbank aufpolstern. Andererseits kann Leiden auch was Schönes sein und es lässt uns nicht weich werden.

    Das Beste an der Tuono ist ihre unbändige Kraft, ihre alles durchdringende Härte, der unvergleichlich geile V4 Brüller und die Tatsache, dass ich mir genau dieses Motorrad kaufen würde, hätte ich nicht das Privileg, sowieso alles fahren zu dürfen. Härtestes Nakedbike ever.

    Quelle: http://www.1000ps.at

    #113017
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    Moderator

    Ich Finds geil:-D

    Sollte sowas auch mal fahren

    #113020
    SlayerSlayer
    Teilnehmer

    ja datt teil is echt geil :icon_thumbs1

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