Testbericht Aprilia RSV 4 APRC und Aprilia RSV 4 Tuono APRC

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    [align=center]Testfahrt mit Aprilia RSV 4 Tuono APRC und Aprilia RSV 4 APRC[/align]

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    Der Druck auf den roten Knopf am rechten Lenkerende löst freudige Emotionen aus.
    Eine kurze Stille im Kopf, ein breites Grinsen, ein verachtendes Lachen und diese Frage, die Frage warum nicht beide Schwestern Tuono heißen. Tuono, italienisch für Donner!

    Aprilia RSV 4 Tuono APRC und Aprilia RSV 4 APRC
    Wahrlich keine Namen wie sie in italienischen Opern zelebriert werden. Die Reaktion auf den ausgesprochenen Namen ist eher: „Äh wie bitte?“
    Das ist auch die ständig wiederkehrende Frage, die einem oft während der Fahrt auf einer dieser Maschinen in den Sinn kommt!

    Aber fangen wir vorne an. Wovon ist hier eigentlich die Rede?
    Ganz einfach, von einem Testride der oben genannten Diven.
    Der Rennsemmel, die RSV 4 APRC, wurde mit einem 1000ccm V4 bestückt. Dieser spuckt fröhliche 180PS, gepaart mit 115NM aus. Die etwas zahmere Schwester Tuono, welche ihrem Fahrer die Bedieneinheiten an einer “Segelstange” bereithält, begnügt sich mit 167 PS und 111NM, die aus dem gleichen Motor mit einem etwas anderen Mapping kommen.
    Beide stehen uns als APRC Version zur Verfügung. „Äh, wie bitte?!“ Das Kürzel APRC bedeutet in diesem Fall Aprilia Performance Ride Control. Trägt eine Italienerin diesen Beinamen, so sei man sich Gewiss, dass der Rennsport noch näher rückt, als er bei Aprilia eh schon ist. Eigentlich ist man spätestens jetzt mittendrin statt nur dabei. Wer für Aufpreis dieses Kürzel im Namen seines Kurvensportlers haben will, der bekommt Traktionskontrolle, Wheelie-Control, Launch-Control, ABS und einen Quickshifter zur Verfügung gestellt.

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    Und wie war das nun mit dem Grinsen?
    Achja, der Druck auf den roten Knopf und dieses Geräusch. Ein Geräusch, welches Dämonen vertreibt, Teenager mit offenem Mund den Pizzakarton aus der Hand fallen lässt und Gaskranken ein Gefühl der inneren Ruhe beschert.
    Gang rein und losrollen. Schon auf den ersten Metern ist alles da wo es hingehört. Die Tuono hupt nicht mehr wenn man aufhören möchte zu blinken, Gas ist rechts und äh, wie bitte?! Nach dem warmfahren und dem ersten zügigeren Beschleunigen ist dies schon wieder die Frage im Kopf. Sie geht sanft ans Gas, doch mit sehr bestimmtem Ziel, nämlich obere Drehzahlen! Zwischen 4-5 Tausend Umdrehungen gibt es einen leichten Durchhänger im Drehmoment, doch eigentlich braucht der Motor sicher nur dieses Gedenk-Millisekündchen um dann mal richtig los zu gehen. Dank Wheelie-Kontrolle auch mit Gas am Anschlag ohne große Sorge, dass das Vorderrad das Hinterrad mal vor fahren lässt. Sanft regelt sie das Vorderrad hinunter, ohne den bekannten Jojo-Effekt der ersten S1000RRen.
    In Mitten der „Segelstange“ das Cockpit. Einfach abzulesen, die Geschwindigkeit und nur die, sonst nichts. Alles andere muss sich das ungeübte Auge suchen, was zwischenzeitlich zu Verwirrung führt und die nächste Kurve schneller näher rücken lässt als man will. Doch so wild ist das gar nicht. Die radial verschraubten Brembos greifen mit je vier Kolben an die doppelt schwimmend gelagerten 320er Bremsscheiben. Leider hat die Tuono aber nicht die radiale Bremspumpe ihrer stärkeren Schwester geerbt. Daher rührt auch der etwas schwammige und späte Druckpunkt. Trotzdem wird die Fuhre konsequent vor der Kurve eingefangen und mit Hilfe eines großen Hebels des Superbike-Lenkers in selbige geworfen.
    Der Fahrer ist während dessen gut gepolstert in 826mm Höhe im Fahrzeug eingebracht und hat mit der immer noch sportlichen, aber bequemen Sitzposition nie das Gefühl, dass sein Sportgerät ihm etwas verheimlicht.

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    Doch wo wir beim Sportgerät sind.
    Die sportliche Schwester der Tuono. Die kleine bzw. große Schwester, welche sich den Beinamen Tuono einfach spart. Doch wieso tut sie das? Der Klang ist nicht weniger erregend als der, der vorher getesteten Variante.
    13PS und 4Nm mehr. Eine zusammengekauerte Sitzposition, stark nach unten gekröpfte Lenkerstummel, ein Verkleidungsscheibchen und der gleiche unübersichtliche Tacho.
    Gang rein, losrollen und äh, wie bitte?!
    Zapperlot, da rührt sich doch einiges mehr als bei der Tuono. Falten sämtlicher Hautpartien sind Geschichte und das Visier, welches ausversehen nicht ganz geschlossen wurde ermöglicht dem Wind Tränen waagerecht aus dem Auge zu locken. Zumachen ist nicht, geht nicht, geht einfach nur voran!
    Hand vom Gas, Visier zu, Bremse anlegen und Schwups hängen die Tränen nun von innen am Visier. Endlich, Radialpumpe mit einem Druckpunkt wo man ihn so nicht vermutet hätte. Ein Traum! Auch hier wimmern die mittlerweile bekannten 320er Scheiben unter dem Druck der 4 Kolben Monobremssättel. Sauber lässt sie sich in die Kurven legen, fällt förmlich hinein und zieht wunderbare Striche im Kurvenausgang. Natürlich muss man auf einer derartigen Eierfeile Abstriche bei Fahrten auf der Landstraße machen. Glänzte die Tuono noch mit sportlich aber angenehmer aufrechter Sitzposition, so quetscht sich der Fahrer auf der RSV4 nun inmitten des Motorrades. Sehr Vorderrad orientiert, aber dennoch nicht unbedingt ungemütlich. Nach ein paar Stunden im Sattel könnte dies aber zur Tortur werden. Auch das Fahrwerk zeigt sich ein gutes Stück härter und leitet Bodenwellen merklich bis zum Piloten weiter.

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    Bei einer Pause zeigt sich ein anderes Bild der Italienerinnen. Sie fahren nicht nur wunderbar, auch ihr Aussehen, eine wahre Schönheit! Ihr Aussehen mag polarisieren, die 2 glubschigen DE-Scheinwerfer an der Tuono, das breite gestrecke Grinsen der RSV4 mit kleiner Scheinwerfer-Nase in der Mitte. Der gebürstete Aluminiumrahmen und die nunmehr Aprilia-typische Bananenschwinge. Ein spitz zulaufendes Heck mit zwei seitlichen Irokesen. Ins Wohnzimmer stellen und glücklich sein. Sobald der Auspuff vom Zubehörhandel etwas unauffälliger gestaltet wurde. Über das Blinker-Geraffel muss nicht gesprochen werden, das bekommt kaum ein Hersteller elegant gelöst. Bei der RSV4 sind jedoch zumindest die vorderen Blinker in den Spiegeln eingelassen.

    Doch wir sind ja hier zum Fahren und nicht zum Begucken.
    Je nach Gasgriffstellung und Drehzahl verrichtet der Schaltautomat seine Arbeit mit einem leichten Ruckeln. Stellt sich jedoch eine gewisse Gasgriffbrutalität ein, so flutschen die Gänge sauber ineinander und der Vortrieb endet erst wenn irgendwo im Mäusekino die 6 aufleuchtet.
    Doch wo findet der Fahrer nun diese 6? Das weitläufige Display bietet viele Informationen: Durchschnittsverbrauch, Top-Speed, Uhrzeit, Gangwahl, Geschwindigkeit, gewählter Fahrmodi. Alles irgendwie ineinander, untereinander, übereinander. Die Bedienung zeigt sich als nicht einfach und erfordert eigentlich ein weit aufgeschlagenes Kochbuch. So konnte leider erst beim Abgeben der Maschinen die Wheelie-Control auf ein spaßiges Niveau gestellt werden.
    In Ermangelung von Zeit, Strecke und Vertrautheit mit dem Arbeitsgerät können wir leider keine Angaben über die Funktion von ABS und Traktionskontrolle machen. Einzig für Launch-/ und Wheelie-Control kann einwandfreies und sanftes Eingreifen in den Fahrbetrieb attestiert werden.

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    Fazit:
    Wer die italienische Optik mag, wer ein Motorrad mit Charakter und kein aalglattes Schieben und Laufen will, der ist hier genau richtig. Für die Rennstrecke und gelegentliche Landstraßenausflüge, die RSV 4. Für Landstraße und gelegentliche Trackdays die Tuono. Doch die Tuono wird so manchem Gebückten ein “Ähhh WIE BITTE?” entlocken und ihn in die Gabelbrücke beißen lassen, wenn er das Kennzeichen langsam nichtmehr lesen kann und der herrliche V4 Sound sein Motorrad in ein Fahrzeug mit Elektromotor verwandelt.
    Also, gut 13 Mille für die Tuono und 15 Mille für die RSV 4 schnappen und nach Italien schicken. Der Gegenwert ist gewährleistet!


    (c) Text und Fotos von Lukas Graap, veröffentlicht bei http://www.kurvensportler.de

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