Testbericht: Aprilia Dorsoduro 1200

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    Aprilia Dorsoduro 1200
    Was meint Grammer mit der Orgasmusbremse? Sich selbst? Lesen und herausfinden.

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    Aprilia Dorsoduro 1200

    „Was heißt Dorsoduro?“
    Dorsoduro ist ein im Süden von Venedig gelegener Stadtteil und hat 10.000 Einwohner. Der Name leitet sich vom Zustand des Gebietes vor der Besiedelung ab. „Dorso duro“ bedeutet „harter Rücken“ und weist auf den Umstand hin, dass es sich um festen, teilweise felsigen Untergrund handelte, auf dem der Stadtteil errichtet worden ist.

    Nachdem jetzt geklärt wäre, was Dorsoduro heißt, stellt sich als nächstes die Frage: „Was ist eine Dorsoduro 1200?“ Nun, diese Frage beantwortete uns die Marketing-Abteilung von Aprilia sehr klar. Sie ist eine Supermoto auf Steroide! 130 PS bei 8700 U/min und 1200 ccm sind eine echte Ansage für ein Funbike. Obwohl die Dorsoduro über drei unterschiedliche „Maps“ verfügt, nämlich Sport, Touring und Rain, will und soll sie kein Tourenbike sein. Dies verhindert schon der kleine Tank und der große Durst (8,8 l auf 100 km habe ich sie verbrauchen lassen).

    Die letzte und entscheidende Frage lautet: „Was kann die Dorsoduro?“ Um es gleich vorweg zu nehmen, sie kann genau das, was sie können muss, um dem Anspruch eines Funbikes zu genügen. Sie ist hart aber gerecht, sowohl in der Fahrwerksabstimmung als auch in Bezug auf die Fahrwerksgeometrie (was nicht jedermann gefallen wird) und setzt daher jeden Lenkimpuls unmittelbar in ein Fahrmanöver um. Hängt man also wie ein alter Sack am Lenker und benutzt ihn fälschlicherweise als Haltegriff, beginnt die Dorsoduro blitzartig auszukeilen. Ganz anders aber, wenn man seine hoffentlich vorhandenen Bauchmuskeln verwendet, um den Oberkörper vorne zu halten und den Lenker nur zärtlich berührt. Dann nämlich fliegt die Aprilia durch das andalusische Kurvengewühl, das es den überall neben der Straße stehenden Rindern, Eseln, Schweinen und Pferden die Haare aufstellt. Fast ohne Kraftaufwand zirkelt die 1200er von einer 2-Gang Kurve in die nächste.

    Die ständig blinkende ATC-Warnlampe ist eine gute Indikation für das hohe Tempo, das in kurvigen Sektionen gefahren werden kann. Fein dosierbar und mit brachialer Wirkung versehen, leistet die Vorderbremse ihren Beitrag zum tatsächlich aufkommenden Supermoto-Feeling. Allerdings offenbart sich just vor Erreichen des höchsten Fahrgefühls eine Orgasmusbremse. Wie die Schwiegermutter zum falschen Zeitpunkt – greift plötzlich die WC (Wheelie Control nicht Water Closet) ein. Diese ist nämlich nicht separat abschaltbar. Das heißt, nutzt man die Traction Control ist auch die Wheelie Control aktiv. Dies führt zu einer für Supermoto-Verhältnisse unrühmlichen Situation: Kein Einradfahren am Kurvenausgang – PUUUHHH!!

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    Dilemma: Traction Control nicht ohne Wheelie Control!

    Natürlich könnte man auch sämtliche Hilfsmittel ausschalten, aber die TC habe ich sehr schnell schätzen gelernt – es ist schwer darauf zu verzichten, wenn man auf die Elektronik vertrauend in jeder Kurve lässig einen wilden Hund spielen und das Gas voll aufreißen kann!

    Übrigens ist die Aprilia Traction Control dreistufig:

    * Stufe 1: für ein hohes Gripniveau und aggressiven Fahrstil.

    * Stufe 2: für den normalen Straßengebrauch.

    * Stufe 3: für ganz miese Gripverhältnisse wie etwa Nässe, Schnee und Eis.

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    Die gelbe Warnlampe ganz rechts beginnt zu blinken, wenn die TC eingreift

    Etwas kritisch wird die agile Auslegung der Dorsoduro 1200 in schnellen, mit tückischen Bodenwellen versehenen Kurven. Dort beginnt sie sich aufzuschaukeln. In solchen Fahrsituationen ist es nicht immer leicht auf der angepeilten Linie zu bleiben und das Motorrad auf der sicheren eigenen Fahrspur zu halten. Hier ist etwas Zurückhaltung oder enormes Fahrkönnen (dies bleibt den sowieso alles „da-quer“ fahrenden Wiener vorbehalten) geboten.

    Motor – krasser Gegensatz zum Fahrwerk.

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    Den 130 PS starken V2 Motor hat Aprilia völlig eigenständig entwickelt und nicht wie in früheren Zeiten zugekauft – Bravo! Diese Kraftquelle steht im krassen Gegensatz zum Fahrwerk der Dorsoduro. Er gibt seine Leistung sanft und gleichmäßig ab, verursacht praktisch keine spürbaren Vibrationen und zieht in allen Lebenslagen mit ordentlichem Dampf an der Kette. Sofort waren die vernünftigen Kollegen zur Stelle und vertraten die Meinung, dass 130 PS und ca. 260 km/h Top-Speed zu viel seien für eine Supermoto. Darauf achselzuckend ein Aprilianer: „Es sei ganz einfach besser, ein Löwe als ein Schaf zu sein!“ Dem kann ich nichts hinzufügen.

    Wie bereits erwähnt, verfügt die Dorsoduro über drei unterschiedliche Maps, mit denen man die Reaktion des Motors auf Gasgriffbewegungen nach seinem Geschmack beeinflussen kann. Will heißen, ich stelle den Modus Touring oder Rain (hier wird der Motor auf 100 PS gedrosselt) ein und der Motor spricht deutlich verzögert auf meinen Gasgriffbefehl an. Jetzt frag ich mich, was zum Teufel das soll??? Jahrzehntelang haben sich alle Entwickler dieser Welt bemüht ein möglichst direktes verzögerungsfreies Ansprechverhalten zu generieren (was im Sportmodus super gelungen ist), damit der Motor genau jene Leistung bereitstellt die der Fahrer fordert und dann kommen die Fuzzis vom Marketing und verkaufen uns ein System, welches eben das wieder verhindert. Verkehrte Welt! Denn meiner Meinung nach sollte gerade unter schwierigen Bedingungen der Motor genau das tun was man von ihm verlangt – nicht irgendwie irgendwas verzögern!
    Ich empfehle Modus Sport für die Straße und Modus Touring und Rain fürs Prospekt!

    Erhältlich wird die Dorsoduro 1200 mit oder ohne ABS und TC sein, wobei die ersten Modelle angeblich nur mit den elektronischen Fahrhilfen ausgeliefert werden. Damit ich es nicht vergesse: Der Windschutz ist schlecht – für die, die’s interessiert!
    Quelle- http://www.1000ps.at

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