Exklusiv Interview (zwischen Tür und Angel) – Markus Reiterberger

Vor kurzem habe ich einen Artikel über Markus Reiterberger geschrieben und danach stellten sich mir einige kuriose Fragen. So was wie „Wie trinkt so ein jemand seinen Kaffee?“ oder „Was macht ein Markus Reiterberger wenn er keine Rennen fährt?“Nun wie kann man diese Fragen beantworten? Eine Person zu treffen die quasi durchgehend auf Tour ist für Promo-Auftritte auf Messen oder mit Winter-Tests beschäftigt ist, grenzt nahezu an eine Unmöglichkeit, vor allem wenn man in einem kleinen Blog schreibt und keine große Zeitung ist.Aber Gott sei Dank, es gibt ja Soziale Medien. Und noch besser ist, Markus schreibt dort wirklich mit dir. Also warum nicht ihm die Nachrichten per soziale Medien zukommen lassen? Gesagt getan. Und Markus hat es zwischen Training und dem nächsten Flug einrichten können meine 35 Fragen beantworten zu können.

Fazit davon, ein sehr sympathischer Kerl der immer noch sehr am Boden geblieben ist und dabei einfach nie coole Socke ist. Er trinkt seinen Kaffee übrigens mit Milch 😉 Markus-Reiterberger-2016-bmw-althea-4

F.Was macht einen Rennfahrer erfolgreich? Was unterscheidet ihn zu anderen?

A:Gutes Team, Bike und Fahrerkombination. Technisches Verständnis, Ehrgeiz und Glück gehört auch dazu.

F:Was würdest du einem aufstrebenden deutschen Rennfahrer raten und mit auf den Weg geben?

A:Das Gleiche, was mir immer alle gesagt haben: Hab Spaß beim Fahren, der Rest kommt von alleine!

F:Kann man als Rennfahrer überhaupt noch auf der Straße fahren ? Hast du dafür überhaupt noch Zeit/Lust ?

A:Ja schon, aber wenn man das Fahrverhalten und den Speed von der Rennstrecke auf die Landstraße übertragen will um überhaupt einen Gefallen dran zu haben, wird es gefährlich. Ich fahre wenn dann mit einer Enduro wo man auch mal in den Dreck fahren kann, oder mit meinen Kumpels mit den 50er Kreidlers.

F: Wie muss man sich deinen Alltag vorstellen abseits von Motorradrennsport ?

A:Es gehört viel Büroarbeit dazu, das glauben Viele nicht, aber es ist wirklich viel… Ansonsten tägliches Training, Sponsorenbetreuung, Messebesuche, Ehrungen, Physiotherapie usw…

F:Wie jung warst du als du das 1. mal Motorrad gefahren bist ? Wer hat dich dazu bewegt?

A:Ich war 4 Jahre, da hat mir mein Vater aus einen Roller eine Kindercross gebaut. Mein Vater war selbst Speedway Rennfahrer. Markus Ober, Adi Stadler, und natürlich Ralf Waldmann haben in mich neben meinen Vater den Rennsport entfacht.

F:Wann stand für dich fest das du professioneller Rennfahrer werden kannst?

A:Ziemlich Ende 2014, als ich mit Werner Damen einen Management Vertrag unterschrieb. Profi zu werden war immer mein Ziel, ob ich es schaffen würde wusste ich nie. Es gab schon sehr schwere Zeiten wo wir kurz vor dem Aus standen. Immer das Budget zu finden war sehr schwierig, doch meine Familie, Freunde und Gönner haben immer an mich geglaubt.

F:Wie kam es dazu, dass du SBK-WM anstatt MotoGP / Moto2 fährst?

A:Als ich 2011 die 1000ccm Klasse entdeckte und auch mehr die Statur dazu habe, war für mich klar, das will ich fahren, das macht mir Spaß. Auf eine 600er wollte ich nicht mehr, auf der 1000er fühle ich mich wohl, da geht was vorwärts Also blieb noch SBK/MotoGP. Und ich bin so froh es schon Mal in die SBK geschafft zu haben.

F: Was war dein erstes Motorrad?

A: Selbstgebaute Kindercross aus einen Honda 80 Lead Roller.

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F: Nach der 1. Saison in der Endurance WM hast du einige Leute dort auf dich aufmerksam gemacht. Wie fühlte es sich an mit der Penz Truppe so eine starke Saison zu fahren?

A:Es war eine ganz neue Erfahrung für mich und ich muss sagen ich bin begeistert. Es ist ein ganz anderer Style, ein Teamsport. Wir hatten immer den Speed, nur halt auch viel Pech. Ich habe es in der Penz Truppe sehr genossen!

F:Als dir die Felge in Le Castellet gebrochen ist, was ging dir da als erstes durch den Kopf?

A:Ich habe einfach versucht das Ding zum Stehen zu bekommen, ohne das noch mehr kaputt geht. Natürlich habe ich in diesen Moment erkannt dass es mit den lang ersehnten Podium aus war.

F:Wann fluchst du unter dem Helm?

A:Bei solchen Sachen wie in Le Castellet. Bei einer vergeigten Runde. Ansonsten bin ich eigentlich eher ruhig.

F: Wenn Yamaha dir einen Platz im Werksteam neben Valentino Rossi anbieten würde, würdest du annehmen?

A:Ich denke da würde niemand Nein sagen, aber man muss realistisch bleiben…

F: Wenn Yamaha dir einen Platz im Werksteam neben Jorge Lorenzo anbieten würde, würdest du ablehnen?

A:Auch hier würde niemand ablehnen, aber Rossi wäre mir lieber.

F:Gibt es auch Tage, wo du Nachmittags mit einem Kater im Bett aufwachst?

A:Nein, das kann ich mir nicht erlauben.

F:Wie muss man sich eine Party mit dir vorstellen wenn du gerade ein Rennen gewonnen hast? Bleibt überhaupt noch Zeit zum feiern?

A:Nach einen Rennen ist wenig Zeit zum feiern. Es wird alles verladen und alle fahren schnell heim, da die Meisten ja auch noch einen Berufsleben nachgehen. Nach der Saison feiern wir dann schon ordentlich. In Hockenheim z.B. mit unserer Band aus Obing, oder bei meiner Meisterfeier war schon gute Stimmung.

F:Was sagt deine Mutti dir, wenn du gestürzt bist?

A:Was soll man da groß sagen… Sie macht sich schon immer Sorgen, aber ich versuche einfach nicht zu stürzen.

F:Was war das kurioseste Interview, was du jemals gehabt hast?

A:In Misano, neben Biaggi, Guigliano, Rea, Davies, als ich bei meiner Wildcard 4ter war im Training saßen wir in der Pressekonferenz, das war schon geil.08253_P8_Ambience

F:Hat ein Interview-Partner schon einmal eine Frage gestellt die dich persönlich angegriffen hat? Wen ja, wer war das und welche Frage hat er gestellt?

A:Es gibt schon ab und zu Fragen, die einen stören, aber generell bin ich nicht so empfindlich…

F:Wenn du wählen müsstest, zwischen Monster Energy und Red Bull, welchen Sponsor würdest du nehmen?

A:Ich finde es super, dass Energy Drinks sich in den Rennsport so engagieren, somit bin ich für alle Marken offen.

F:Wer kam auf die Idee mit dem Cowboyhut?

A:Das hat sich mal so ergeben, als mein Sponsor die Schlossbrauerei Stein Cowboy Strohhüte als Werbegeschenke verteilte. Ich fand es cool und die Leute erkannten mich sofort, also wurde es zu meinen Markenzeichen.

F:Wie fühlt es sich an, endlich in der SBK-WM zu fahren?

A:Unglaublich, ich freue mich einfach auf die Saison.

F:Wie konkurrenzfähig schätzt du das Paket Althea und BMW für 2016 ein?

A:Das Team ist 2011 Weltmeister geworden. Meine SBK BMW ist das stärkste Bike das ich je gefahren bin. Somit denke ich können wir uns auf eine gute Saison freuen.

F:Wie lange müssen wir auf den ersten Sieg oder Podestplatz in der WM warten?

A:Ich kann nicht Hellsehen, ich hoffe natürlich nicht lange.

F:Wer aus dem IDM-Team begleitet dich auch weiterhin in der WM ?

A:Manager Werner Damen, Mechaniker Wolfgang Kampe und die BMW Elektroniker.

F:Stell dir vor, du bist kein Motorradrennfahrer. Als was würdest du arbeiten?

A:Als Motorradmechaniker, da ha ich eine Lehre gemacht.

F: Bürojob oder Handwerk?

A:Handwerk

F:Was war der schlimmste Sturz den du jemals hattest? Hast du danach überlegt aufzuhören? Wollten deine Eltern, dass du aufhörst?

A:Ich hab mit mal das Handgelenk gebrochen, an Aufhören haben wir noch nie gedacht.

F: Wie trinkst du deinen Kaffee ?

A: Viel Milch, wenig Zucker.

F: Ist es schwer mit seinen Freunden den Kontakt zu halten, wenn man immer am reisen ist?

A: Ich habe großartige Freunde, die zu mir stehen, Rennen besuchen, mit mir was unternehmen und auch alle Motorrad begeistert sind. Ein Teil davon leitet sogar meinen Fan Club.

F:Bei welchem anderen Fahrer würdest du gerne mal Mäuschen spielen? Und warum bei dem Fahrer?

A:Für mich ist Valentino Rossi der größte, sympathischste und beste Rennfahrer aller Zeiten. Ich bewundere aber auch Jonny Rea.

F:Gibt es für dich aktuell junge Talente die einen deutschen Weltmeister hervorbringen können?151117Valencia_0509-e1448113304108

A:Jonas Folger kenne ich schon lange und er kann es schaffen. Es schlummern viele weitere Talente in Deutschland, ich hoffe da kommt was.

F:Was hältst du von Stefan Bradl’s Saison 2015?

A:Er hat es sicherlich nicht leicht gehabt in der vergangenen Saison, auch etwas Pech. Aber ich bin mir sicher, dass er alles gegeben hat und was er erreicht hat soll ihm erst mal einer nachmachen!

F:Hättest du Interesse 2017 die Werks-KTM zu fahren?

A:Ich muss erst mal versuchen in der WSBK etwas zu erreichen. MotoGP wäre ein Traum und KTM wird einen guten Job machen. Mal sehen was die Zukunft bringt…

F:Wie verbringst du Weihnachten und Silvester ?

A:Mit meiner Familie und Freunden daheim.

Eine Antwort

  1. SCOPPEX SCOPPEX sagt:

    elementar für diesen Artikel ist auf jeden Fall: “Viel Milch, wenig Zucker” xD

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